HINTERES KREUZBAND

Das hintere Kreuzband (HKB) ist das stärkste Band des Kniegelenks. Seine Aufgabe besteht darin, ein nach hinten Rutschen des Unterschenkels gegenüber dem Oberschenkel zu unterbinden. Eine Verletzung des hinteren Kreuzbandes entsteht bei hohen Krafteinwirkungen wie z. B. bei Fahrrad- und Motorradstürzen auf das gebeugte Knie oder anderen Hochgeschwindigkeitsverletzungen.

Im Vergleich zum vorderen Kreuzband sind Verletzungen des hinteren Kreuzbandes seltener, aber auch die am häufigsten übersehene Verletzung im Kniegelenk, was zur Folge hat, dass es oftmals zu einer unzureichenden, gar keiner oder gar falschen Behandlung kommt. Daher hat die ausführliche Anamnese und Diagnose bei der hinteren Kreuzband Verletzung ein besonderes Gewicht.

Da Prof. Schoettle Teile seiner Habilitation auch der Erforschung und Behandlung des hinteren Kreuzbandriss gewidmet hat und diese Verletzung an der Unfallchirurgie der Charité nahezu täglich versorgt hat, ist seine Erfahrung auf diesem Gebiet überdurchschnittlich hoch.

Die akute, isolierte Verletzung des hinteren Kreuzbandes weist grundsätzlich ein gutes Selbstheilungspotential auf, da das hintere Kreuzband eine eigene Blutversorgung besitzt. Dazu wird in den ersten 6 Wochen die von Prof. Dr. med. Schöttle entworfene und inzwischen international vor allem von US-Spitzensportlern verwendete M4 HKB dynamic Schiene angepasst. Sollten keine Begleitverletzungen vorliegen, müssen Krücken nur bei Schmerzen verwendet werden. Diese einzigartige Schiene ermöglicht es im Gegensatz zu allen anderen Schinene zur Behandlung des hinteren Kreuzbandriss, den Unterschenkel bei freier Beweglichkeit nach vorne zu schieben und damit das hintere Kreuzband zu entlasten. Dadurch hat das hintere Kreuzband, seine Selbstheilung zu aktivieren und sich in anatomischer Position zu stabilisieren. Da das Knie bewegt werden kann, können parallel dazu bereits Muskelübungen begonnen werden. Begleitend dazu haben wir ein spezielles physiotherapeutisches Programm sowie Eigenübungen zur Stabilisierung entwickelt.

Eine operative Therapie ist meistens nur dann notwendig, wenn neben dem HKB auch noch weitere Strukturen verletzt sind oder eine chronische Instabilität vorliegt, da die Verletzung primär übersehen oder nicht adäquat behandelt wurde. Dieser Eingriff wird wie die VKB Rekonstruktion in einem schonenden arthroskopischen Verfahren durchgeführt, wobei möglichst viele Anteile des hinteren Kreuzbandes erhalten bleiben. Je nachdem wieviel des ehemaligen hinteren Kreuzbandes noch erhalten werden kann, verwenden wir eine 4-fach gelegte Semitendinosussehne oder wenn notwendig eine Kombination aus Semitendinosus- und Gracilissehne. Um das Transplantat stabil befestigen zu können, werden an den alten Ansatzstellen des hinteren Kreuzbandes Kanäle in den Ober- und Unterschenkelknochen Knochen platziert und das Transplantat je nach Knochenstruktur mit Hilfe kleiner Kippanker, Fixationsplättchen oder selbst auflösender Schrauben befestigt. Um eine schnelle Beübung unter komplett schmerzfreien Bedingungen zu ermöglichen, führt Prof. Schoettle diesen Eingriff mit einem stationären Aufenthalt von 2 Nächten durch. Bereits am Tag nach der Operation werden Sie mit Hilfe seines sporttherapeutischen Teams mobilisiert und lernen, Ihre Muskulatur selber zu aktivieren.

Nachbehandlung

Die Nachbehandlung ist im Vergleich zum vorderen Kreuzband etwas länger, da das HKB Transplantat in den ersten Wochen der Heilung gegen die nach hinten wirkende Kraft des Unterschenkels geschützt werden muss. Während Krücken nur bei gleichzeitigen Meniskusverletzungen oder bei Schmerzen verwendet werden müssen, ist es absolut empfehlenswert die spezielle HKB Schiene in den ersten 6 Wochen nicht nur tagsüber sondern auch nachts getragen werden. In den 6 darauffolgenden Wochen muss die dynamische HKB Schiene nur noch tagsüber getragen werden.

Während Sie Ihren Oberkörper und vor allem Ihre Core-Muskulatur (tiefe Rücken- und Bauchmuskulatur) direkt nach der Operation beginnen können, können Sie leichte sportliche Aktivitäten mit dem operierten Knie unter Anleitung bereits 6 Wochen nach dem operativen Eingriff beginnen.

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